Der Selfpublishing Day 2016 in München Teil 1

Hallo, Ihr Lieben!

Die Zahl professioneller Selfpublisher steigt – da ist ein eigener Veranstaltungstag wie der Selfpublishing Day (Abkürzung: SPDay) eine natürliche Entwicklung.

2014 fand der SPDay zum ersten Mal statt – damals in Würzburg. 2015 folgte dann Münster und 2017 soll es Hamburg sein. Aber in diesem Jahr strömten alle nach München – genau wie ich.

Einschub: Warum ich diesen Beitrag erst jetzt veröffentliche
Der Selfpublishing Day fand bereits im April statt. Da ich aber einen Beitrag in der „Qwertz“ (das ist die Mitgliederzeitschrift des BVjA) dazu geschrieben habe, musste ich warten, bis die Ausgabe erscheint. Sonst würde ja kein BVjA-Mitglied mehr diesen Beitrag lesen wollen. In der Qwertz gibt es übrigens nur eine gekürzte Fassung. Das hier ist die Extended Version.

Tagesablauf des SPDays

Der SPDay bietet Vorträge und Workshops. An den Vorträgen nehmen alle TeilnehmerInnen zur gleichen Zeit teil. In den Zeiträumen, in denen die Workshops stattfinden, finden immer vier parallel statt. Man muss sich für einen Workshop entscheiden und dazu anmelden (das hab ich aber erst vor Ort verstanden).

Ticketpreise

Mit den Ticketpreisen verhält es sich so: Je früher man das Ticket kauft, desto günstiger ist es. Allerdings bewegt sich das Wort „günstig“ hier weder im 20- noch im 50-Euro-Bereich. Und ungefähr alle zwei Monate erhöhen sich die Preise.

Die Krux: Zu Beginn des Ticketverkaufs steht das Programm noch nicht abschließend fest. Man kauft also die Katze im Sack. Ich habe mein Ticket im Dezember bestellt – und rund 142 Euro dafür bezahlt. Ich dachte zuerst, dass es weniger sein müsste, denn mir ist nicht aufgefallen, dass auf der Homepage des SPDays Nettopreise stehen. Whoooops.

Mit einem Ticket darf man nicht nur am SPDay teilnehmen, es gibt auch

  • kostenloses WLAN für alle (hab’s nicht geschafft, mich da anzumelden, andere aber schon – das liegt also an meinem „Techniktalent“),

  • Essen und Getränke,

  • eine Goodie-Bag

  • sowie die Möglichkeit, nachher alle Unterlagen zu den Workshops und Vorträgen herunterladen zu können.

09:00 Uhr – Ankunft Novotel München City

Am Hotel, in dem der SPDay stattfindet, hängt ein Plakat, an dem ich erkenne, wohin ich gehen muss. Sehr gut! Für eine Orientierungs-Legasthenikerin wie mich sind solche Hinweise überlebensnotwendig! Ich reihe mich in die Schlange zur Anmeldung ein. Dort erhalte ich ein Namensschild, eine Goodie-Bag und eine Portion Verwirrung.

„Für welchen Workshop möchten Sie sich anmelden?“
„Workshop?“
„Ja, es gibt immer vier zur Auswahl. Für die muss man sich anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.“

Die Frau hinter mir in der Schlange stöhnt und rollt mit den Augen.

Maaaaann! Krieg Dich mal wieder ein – ich bin zum ersten Mal hier! Über das Programm hatte ich mir noch gar keine Gedanken gemacht.

Ich nehme mir erst mal den ausgedruckten Zeitplan mit und sehe zu, dass ich den Weg freimache.

Als ich gerade meinen Mantel an der Garderobe aufhänge, treffe ich auf Jennifer Jäger. Sie ist Autorin, arbeitet bei Neobooks und – das ist das wichtigste – sie ist ein eingefleischter Harry Potter-Fan.

„Kommst du nachher zu mir in den Workshop?“
„Na klar!“

Ha! Ich gehe einfach in den Workshop einer Person, die ich mag. Zack! Problem gelöst. Da hätte die Augen-roll-Tante sich mal nicht so anstellen müssen.

09:30 Uhr – 09:55 Uhr: Vortrag 1: Jura für Self-Publisher – Titelschutz, Copyright und Co im Gesetzes-Dschungel

Alle TeilnehmerInnen setzen sich in einen großen Raum. Vorne steht ein Rednerpult, an der Wand hängt eine Leinwand. Der Jurist Ruprecht Frieling (auch liebevoll „Prinz Rupi“ genannt) beginnt mit seinem Vortrag „Jura für Selfpublisher“. Interessantes Thema! Doch dann beginnt der gute Mann über Verlagsverträge zu sprechen.

Ich stutze. Was haben Selfpublisher bitte mit Verlagsverträgen am Hut? Aaaaah! Er hat für seinen Vortrag doch nur 20 Minuten Zeit! Er soll damit aufhören!

Aber niemand macht Herrn Frieling darauf aufmerksam und ich halte mich ausnahmsweise mal zurück (das kommt alle drei Jahre ein halbes Mal vor). Zum Schluss nehme ich für mich doch noch eine Info mit: Wenn ein Buch zwei Jahre nicht mehr lieferbar ist, erlischt der Titelschutz. Theoretisch darf man diesen Titel dann wieder verwenden – man sollte sich nur fragen, ob das klug wäre.

09:55 Uhr – 10:20 Uhr: Vortrag 2: Bookrix – der Wert einer starken Community – vor allem für Debüt-Autoren

Der nächste Vortrag startet mit einer PowerPoint-Präsentation und fünf Minuten Verspätung. Ich höre aber nicht wirklich zu. Das ist in meinen Augen schlichtweg eine Werbeveranstaltung. Das Interessanteste ist, dass meine Sitznachbarin sich zu mir herüber lehnt und sagt: „Ich würde jetzt so gerne die PowerPoint-Präsentation da vorne anständig formatieren!“

Ich hake diesen Vortrag ab – der nächste verspricht mehr.

10:20 Uhr – 10:45 Uhr: Vortrag 3: BoD – Wie Leser meine Bücher finden

Jetzt kommt ein Vortrag, der Hand und Fuß hat. Der Referent ist Thorsten Simon von BoD. Er bietet uns keine Werbeveranstaltung, sondern Fakten. Wir sehen Diagramme über das Suchverhalten* potentieller LeserInnen und erfahren etwas über Metadaten. Die Metadaten eines Buchs sind zum Beispiel Titel, Inhalt, Kategorie, Schlagworte, Cover oder das Format. Thorsten zeigt uns auch ein Beispiel, bei dem eine Autorin mit Hilfe clever gesetzter Schlagworte ihre Zielgruppe besser erreicht hat. Yay! Ich hab was gelernt!

* Habt Ihr hier auch zuerst „Suchtverhalten“ gelesen? Keine Angst: Hier geht’s nicht um Drogen, sondern um die Suche nach Büchern … Was für eine bestimmte Zielgruppe auf das Gleiche herauskommen kann. Wenn wir mal ehrlich sind.

Falls Euch das Thema „Metadaten“ näher interessieren sollte, habt Ihr Glück: Thorsten hat für die Self-Publisher-Bibel einen Beitrag dazu verfasst.

10:45 Uhr – 11:15 Uhr: Pause

Da ich gerade mit einer Kollegin an einem Artikel für die Fachzeitschrift „der selfpublisher“ arbeite, lohnt es sich für mich, beim SPDay dabei zu sein. Ich muss nämlich Anekdoten von Selfpublishern zum Thema „Buchcover“ sammeln. Ich nutze die Pause also nicht nur, um mich über den Kuchen herzumachen, sondern auch, um hemmungslos Autoren anzusprechen. Zunächst habe ich keinen Erfolg. Die Selfpublisher, die ich frage, könnten mir „Geschichten erzählen – da fällste vom Glauben ab!“. Aber sie möchten das nicht für den Artikel tun, da sie namentlich damit nicht in Verbindung gebracht werden möchten.

Na ja … dann hole ich mir halt Kuchen. An der Theke ist noch ein Stück von diesem leckeren Pudding-Streuselkuchen da. Wo sind denn die Teller? Ah, ein Stück weiter links von mir. Aber um da dranzukommen, muss ich mich an der Dame neben mir vorbei lehnen.

„Entschuldigung, ich möchte nur mal kurz …“

Die Dame dreht sich um. Grimmiger Blick. Ah! Es ist die Augen-roll-Tante von heute morgen! Ich schnappe mir einen Teller, das Stück Kuchen und sehe zu, dass ich Abstand zwischen die Frau und mich bringe.

11:15 Uhr – 12:45 Uhr: Workshop 4: neobooks – Networking – Die Kommunikation zwischen Autor und Leser

Während der Pause haben die Veranstalter den großen Vortragsraum mit Einzieh-Wänden in mehrere kleine Räume unterteilt. Wie geplant setze ich mich in den Raum für den Workshop mit Jennifer Jäger. Sie hält einen Vortrag mit Hilfe einer Präsentation, verteilt ein Handout und macht Übungen mit uns. Unter anderem sollen wir für uns überlegen, wie wir auf den sozialen Netzwerken wahrgenommen werden möchten. Für die Fortgeschrittenen ist das vielleicht nicht so spannend, aber für Anfänger finde ich das sehr wichtig. Was mir sehr gut gefällt: Der Workshop ist keine Werbeveranstaltung für neobooks. Jenny spricht wirklich ganz allgemein darüber, wie Networking für AutorInnen funktionieren kann und welche Wege möglich sind.

Ein Satz aus diesem Workshop, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Begeisterte Leser sind Multiplikatoren“. Und es stimmt: Menschen teilen ihre Begeisterung mit anderen Menschen. Ein begeisterter Leser betreibt also Werbung für mich.

Ihr Lieben, schreibt Euch das hinter die Ohren: Begeistert Eure Leser!

Ich habe natürlich noch mehr erlebt und gelernt. Aber wer hat schon Lust, Blogbeiträge zu lesen, die länger sind als der Abspann eines Marvel-Films? Was ich sonst noch beim SPDay erlebt habe, erzähle ich Euch also morgen.

Liebe Grüße
Eure Jasmin

4 Kommentare

  1. Hallo Jasmin, danke für den ersten Einblick. Der Artikel ist locker geschrieben, macht spass zu lesen. :-))

  2. Hey Jasmin, super Beitrag – ich lese sehr gerne, was Du schreibst – auch wenn ich nicht so viel Ahnung davon habe. Macht einfach Spaß Dein Schreibstil!

    • Wow, danke Nadja! 🙂 Die beiden Beiträge zum LitCamp gefallen mir allerdings besser. 😉

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