Fair Bücher kaufen. Der Autorenwelt-Shop

Hallo, Ihr Lieben!

Für die Mitgliederzeitschrift „Qwertz“ des BVjA habe ich Wilhelm Uschtrin zum Autorenwelt-Shop befragt. Das Interview könnt Ihr hier in voller Länge lesen.

Viel Spaß!

Eure Jasmin

AutorenweltShop-Logo

 

Lieber Will, was ist das Besondere am Autorenwelt-Shop?
Das Besondere ist das Autorenprogramm. Autoren, die bei uns auf der Autorenwelt angemeldet sind, können daran teilnehmen. Wenn sie das tun, können sie uns ihre Bücher nennen und wenn wir eines dieser Bücher über den Shop verkaufen, beteiligen wir die Autoren mit 7 % des Verkaufspreises. Ich glaube, damit sind wir momentan ziemlich einzigartig. Andere Shops wie Amazon, Bücher.de etc. arbeiten mit Afiliate-Programmen. Aber die funktionieren nach dem Prinzip, dass derjenige Geld bekommt, der den Leser zum Shop bringt. Bei uns kriegt der Wort-Urheber Geld, und nicht derjenige, der das Marketing gemacht hat.

Und wie erhält ein Autor die zusätzlichen 7 %?
Ganz einfach: Wir machen einmal im Quartal (so ist es bisher geplant) eine Abrechnung. Wir gucken uns an, welche Bücher von welchen Autoren wir verkauft haben, rechnen das zusammen und dann schreiben wir dem Autor diese 7 % auf seinem Autorenwelt-Konto gut. Ab einem Betrag von 10 € überweisen wir das Geld. Wenn es weniger ist, dann bleibt der Betrag auf diesem Konto, bis er die 10 € erreicht hat. Später soll die Überweisung natürlich jederzeit per Kopfdruck gehen.

Wie funktioniert die Anmeldung beim Autorenprogramm? Welche Angaben braucht Ihr?
Erst mal ganz allgemeine Informationen wie Name, Telefonnummer, Adresse und so weiter. Dann die Kontodaten, damit wir das Geld überweisen können und eine Liste der Bücher des Autors, mit denen er am Autorenprogramm teilnehmen will. Das ist momentan noch ein bisschen umständlich, weil der Shop ein Prototyp ist. Später soll das etwas geschmeidiger sein: Da werden einem die Bücher angezeigt, von denen wir glauben, dass sie zum Autor gehören. Dann wählt man die aus, die man geschrieben hat. Momentan funktioniert das noch so, dass der Autor seine Bücher in eine Excel-Vorlage einträgt und uns die dann zuschickt. Dann brauchen wir noch die relevanten Pseudonyme, den Link zum Autorenwelt-Profil, damit wir eine Verbindung zwischen der Person und dem Profil herstellen können und einen Identitätsnachweis, damit wir Betrug ausschließen können. So kann man sich nicht unter falschem Namen anmelden, Bücher anderer Autoren eintragen und abkassieren.

Das Formular zum Anmeldeprozess findet man im Moment unter www.autorenwelt.de/autorenprogramm. Es steht auf unserer Agenda, dass wir das sehr viel schöner und einfacher gestalten. Die Idee ist, dass man das später in seinem Autorenwelt-Profil einfach mit einem Klick machen kann, ohne sich noch mal extra über ein Anmeldeformular anzumelden.

Derzeit arbeiten wir daran, den kompletten Libri-Katalog in den Shop aufzunehmen. Wir glauben, dass Leser von einem Online-Shop erwarten, mehr als einfach nur 200-300 Bücher kaufen können. Und sobald wir diesen Meilenstein erreicht haben, werden wir uns dem Anmeldeprozess widmen und versuchen, den möglichst geschmeidig zu machen.

WIlhelm Uschtrin; Foto: Anna Olivia

WIlhelm Uschtrin; Foto: Anna Olivia

Darf ich denn meine Bücher in Eurem Shop anmelden oder bekomme ich da Ärger mit meinem Verlag?
Das ist eine Frage, die wir sehr oft hören. Es gibt oft Verständnisprobleme, was diese Dreiecksbeziehung zwischen Verlag, dem Autorenwelt-Shop und dem Autor betrifft. Und nein: Man braucht keine Angst zu haben, dass man Ärger mit seinem Verlag bekommt. Und ja: Man darf seine Bücher auf jeden Fall bei uns anmelden! Wir haben überhaupt gar nichts mit der Beziehung und dem Vertrag zwischen Autor und Verlag zu tun. Was neu ist: Es entsteht ein Vertrag zwischen dem Autor und uns, dem Autorenwelt-Shop (beim Anmeldeprocedere muss man unsere AGB annehmen). Dann sind wir aber wie jeder andere Online-Shop oder jede andere Buchhandlung, die es gibt. Das ist immer ein bisschen lustig, weil bei uns Autoren fragen „Ja, dürft ihr denn meine Bücher verkaufen oder muss ich erst mal den Verlag fragen?“. Bei Hugendubel oder bei der Buchhandlung um die Ecke oder bei irgendeinem anderen Online-Shop fragen sie das ja auch nicht. Wenn das Buch zu verkaufen ist, dann wird es von Buchhandlungen verkauft und genauso ist das bei uns auch. Der einzige Unterschied ist, dass wir als Autorenwelt beschlossen haben, dass wir die Autoren beteiligen wollen. Das können wir natürlich, weil wir mit unserem Gewinn machen können, was wir wollen. Davon ist der Verlag gar nicht berührt und deshalb ist das alles in Ordnung.

Zukünftig sollen alle Libri-Bücher im Autorenwelt-Shop zu kaufen sein, richtig? Was geschieht, wenn jemand Bücher kauft, deren Autoren sich nicht bei Euch registriert haben?
Ja, wir wollen alle Bücher, die bei Libri zu kaufen sind, im Shop anbieten – und später übrigens noch mehr: Wir wollen auch den Umbreit-Katalog und KNV anschließen. Es gibt ja Bücher, die sind zum Beispiel nur über KNV zu erhalten und nicht über Libri. Aber ja: Die Frage ist natürlich sehr berechtigt: Was passiert, wenn jemand ein Buch kauft, das nicht von einem Autor angemeldet ist? Bei 1,6 Mio. Büchern, die in Deutschland lieferbar sind, werden das zunächst noch die meisten Bücher sein. Es wird eine Weile dauern, bis alle Autoren dieser Bücher sich bei uns angemeldet haben. (lacht) Wir haben aber eine Idee, was wir mit dem Geld der Bücher machen, für die wir keinen Autor hinterlegt haben: Wir würden es gerne spenden. Dabei denken wir an Organisationen oder Vereine, die sich sehr konkret für Autoren einsetzen. Also direkt oder indirekt – das Geld bekommen die Autoren.

Gab es schon erste Reaktionen von Autoren?
Also, bisher haben sich schon knapp 100 AutorInnen angemeldet. Da bekommen wir immer mal wieder Feedback. Das lustige ist: Oft haben die AutorInnen erst mal Verständnisfragen, weil das Konzept noch komplett ungewohnt ist. Aber dann sind die Rückmeldungen sehr positiv. Dann freuen sich die Autoren und finden den Shop cool. Das ist der Grundtenor.

Dann hatten wir Anfang Dezember ein Treffen in München. Dazu haben wir AutorInnen und auch ein, zwei AgentInnen eingeladen, um uns Feedback zu holen. Also nicht nur so nebenbei, sondern wirklich mal an einem ganzen Abend. Dabei ist rausgekommen, dass diese Thematik „Autoren sollten mehr verdienen“ recht … na ja es ist nicht wirklich ein kontroverses Thema. Die Anwesenden fanden schon alle, dass das so ist, aber mit seinen Lesern darüber zu sprechen, das wurde unterschiedlich gesehen. Manche meinten: „Ja, das sollte man unbedingt! Da muss ein Bewusstsein geschaffen werden.“. Dann gab es aber andere, die da nicht als Bittsteller auftreten und dieses Gespräch mit Ihren Lesern nicht führen wollen. Wir nehmen an, dass das nicht nur bei dieser Handvoll von Autoren bei diesem Treffen war, sondern dass es da generell deutschlandweit unterschiedliche Meinungen gibt. Und das ist das Key Learning, das wir daraus gezogen haben: Wir wollen uns noch mal genau anschauen, wie sehr wir diese Geldsache wirklich in den Vordergrund stellen wollen (auch den Lesern gegenüber) oder ob wir das vielleicht anders verpacken oder doch was anderes in den Vordergrund stellen – einfach, um es den Autoren in der Kommunikation leichter zu machen, mit ihren Lesern darüber zu sprechen und uns auch weiterzuempfehlen. Was nicht bedeutet, dass wir das Autorenprogramm abschaffen, das wird es immer geben. Aber einfach von der Kommunikation, von der Positionierung wollen wir uns das noch mal genauer durch den Kopf gehen lassen.

Ist der Shop fertig?
Der Shop ist auf gar keinen Fall fertig! Es fehlt noch unglaublich viel – das ist wirklich nur ein Prototyp. Deswegen steht links oben auf der Seite auch noch diese „Beta“-Banderole. Also nein – ganz im Gegenteil: Wir sind nicht bei 90 oder 100 %, sondern eher bei null bis zehn Prozent. Auch wenn alles für einen Online-Shop schon perfekt wäre, haben wir darüber hinaus noch ganz viele Ideen. Wir wollen zum Beispiel Leser und Autoren näher zueinander bringen. Das ist aber eine Sache, mit der können wir erst anfangen, wenn wir die Grunderwartung erfüllt haben, die man heutzutage an Shops hat.

Wir haben das bei einer Sache schon ein bisschen modelliert: Man kommt von jeder Buchseite mit einem Klick unten auf den Link in der Buchbeschreibung zum Profil des Autors auf der Autorenwelt. Das ist eine winzige Sache, mit der wir es den Lesern ermöglichen, ganz schnell zum Autorenwelt-Profil des Autors zu kommen, was dieser auch selber pflegen kann. In der Richtung wollen wir noch viel mehr machen. Und da ist Vieles möglich, wie die nächsten Lesungen auf den Buchdetailseiten anzuzeigen oder dass Autoren in ihrem Account eine Dankesmessage hinterlegen können, die in der Bestätigungsmail angezeigt wird, wenn das Buch gekauft wird, bis hin zu Sektionen auf der Buchdetailseite, die der Autor gestalten kann. Da haben wir schon ganz viele Ideen, aber wie gesagt: Das ist noch Zukunftsmusik. Erst mal müssen wir natürlich gucken, dass der Shop als solcher solide ist und den Mindestkriterien genügt.

Kann man sowohl gedruckte Bücher als auch E-Books kaufen?
Momentan leider nur gedruckte Bücher. Bei gedruckten Büchern können wir die Bestellung an Libri übergeben und Libri kümmert sich um die Auslieferung. Bei E-Books ist es ein bisschen komplexer, weil die Leser sie mehrmals runterladen wollen und man für jeden Leser eine „Bibliothek“ braucht, die mit dem Account verknüpft ist. Jetzt, bei diesem Prototypen, wollen wir uns erst mal auf das Wesentliche konzentrieren und schauen, wie die Idee angenommen wird. Da haben wir fürs Erste auf E-Books verzichtet, aber selbstverständlich werden wir in absehbarer Zeit auch E-Books anbieten.

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Ich muss natürlich fragen: Wo ist der Haken?
Das ist eine schöne Frage. Wir wissen es nicht, wir haben selber noch keinen gefunden. Wenn jemand einen Haken findet, dann gerne Bescheid geben – wir glauben, es gibt keinen.

Vielleicht muss das aber jeder für sich selber entscheiden. Ob das Autorenprogramm Sinn macht und ob es Sinn macht, da mitzumachen. Es ist natürlich auch so, dass man als Autor seine Leser selbst darauf hinweisen muss, dass sie die Bücher in unserem Shop kaufen sollen. Wir selber haben ja keinen Kontakt zu Lesern, sondern zu ganz vielen Autoren. Wenn man so will, könnte das der Haken sein: „Hey, wie bin ich eigentlich im Kontakt mit meinen Lesern? Wie kann ich mit denen in den Dialog gehen? Lohnt sich das für mich? Kann ich mit denen über das Thema Geldverdienen sprechen? Will ich das?“ Diese Fragen muss man sich stellen. Wenn Autoren einfach ihr Buch beim Autorenprogramm anmelden und dann nichts weiter machen, dann wird auch erst mal nichts passieren. Die ganze Idee funktioniert ja so, dass die Autorenwelt und die Autoren eine enge Beziehung eingehen und das ein Geben und Nehmen ist. Dass die Autoren selber aktiv werden, sich das zu eigen machen und ihren Lesern sagen „Hey, wenn Ihr meine Bücher cool findet, dann kauft doch alle bei der Autorenwelt und nicht woanders, davon hab ich mehr.“ Und das ist auch die Idee, wie die Leser unseren Shop finden und zu uns kommen – über die Autoren. Das ist jetzt kein Haken per se, aber das ist halt eine Entscheidung, die jeder für sich treffen muss.

Vielen Dank für dieses Interview.

Den Shop der Autorenwelt findet Ihr im Internet unter http://shop.autorenwelt.de

Die Autorenwelt findet Ihr hier: www.autorenwelt.de
Facebook: https://de-de.facebook.com/Autorenwelt/
Twitter: @autorenwelt

Besucht den Stand der Autorenwelt auf der Leipziger Buchmesse:
Halle 5, Stand 407.

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Hintergrundinformationen

Was ist Libri?
Die Libri GmbH ist ein „Barsortiment und Großhandel für Bücher und andere Medien“. Bestellt man in einer Buchhandlung ein Buch, geht die Bestellung bei Libri ein. Von dort aus wird es zur Lieferadresse geschickt.

Wie stelle ich fest, ob mein Buch bei Libri gelistet ist?
Diese Auskunft erhältst Du bei Deinem Verlag.
Für Selfpublisher gilt: alle Bücher, die bei Books on Demand (BoD) erscheinen, sind bei Libri zu finden. Der Anbieter Createspace gehört zu Amazon.de und somit zur Konkurrenz von Libri. Wer seine Bücher über Amazon veröffentlicht, kann sie daher nicht über den Shop der Autorenwelt anbieten.