Suche und zerstöre: das Passiv

Suche und zerstöre: das Passiv

Hallo, Ihr Lieben!

Heute mache ich Euch zu Agenten. Ihr dürft Euch aussuchen, ob Ihr Euch eher als Natasha Romanov, James Bond oder Jason Bourne seht. Aber eines steht fest: Ihr erhaltet die Lizenz zum Töten!

Euer Ziel: Passiv-Konstruktionen
Euer Einsatzort: Euer Manuskript

James Bond

Legt los!

Na, sofort!

Was ist denn noch?!

Jetzt mal echt … Leute, wenn Ihr gute Agenten sein wollt, müsst Ihr Befehle auch ausführen. Aber bitte schön. Ihr wollt Hintergrundinfos, dann bekommt Ihr sie auch.

Passiv-Konstruktionen sind wie der dunkle Lord. Autoren sind wie Harry Potter. Harry muss Ihr-wisst-schon-wen beseitigen, damit das Gute siegen kann.

Als Autoren ist es Eure Aufgabe, Eure Geschichte gut zu erzählen. Ihr müsst es Euren Lesern so leicht wie möglich machen. Lasst sie nicht über Euer Buchstaben-Geröll kraxeln, sondern über das polierte Text-Parkett gleiten.

Ein paar Beispiele

Passiv: Durch die Inhalation von Helium hört sich Deine Stimme lustig an.
Aktiv: Deine Stimme hört sich lustig an, wenn du Helium inhalierst.*

*Ha! Hier haben wir nicht nur das Passiv aufs Rad geflochten, sondern auch den Nominalstil gekillt. Also anstelle von „Inhalation“ nehmen wir „inhalieren“.

Passiv: In der Schule werden die Kinder von Lehrern unterrichtet.
Aktiv: In der Schule unterrichten Lehrer die Kinder.

Passiv: Da muss noch ein Tor geschossen werden, um zu gewinnen.
Aktiv: Da muss der 1. FC Köln noch ein Tor schießen, um zu gewinnen.

Wie Ihr Passiv-Konstruktionen findet

Hoch lebe die Suchfunktion! Gebt dort das hübsche Wort „werden“ ein. Natürlich solltet Ihr auch nach Konjugationen wie zum Beispiel „wird“ oder Vergangenheitsformen wie „wurde“ suchen. Ihr dürft das Wort allerdings stehen lassen, wenn Ihr es für die Zukunftsform verwendet.

Warum Aktiv-Sätze jeden Schönheitswettbewerb gewinnen

Grund Nummer 1
Die aktiven Sätze lassen sich einfacher lesen.

Grund Nummer 2
Man kann sich nicht davor drücken, klar zu benennen, wer handelt.

Grund Nummer 3
Aktive Sätze sind kürzer. Kürzer ist besser, weil kurze Sätze die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers nicht so arg strapazieren wie das Wort „Aufmerksamkeitsspanne“.

Was mache ich, wenn ich nicht weiß, wer handelt?

Also erst mal: Ihr seid die Autoren. Ihr solltet wissen, wer in Eurem Manuskript die Fäden spinnt. Aber wenn es nicht anders geht, könnt Ihr das Wort „man“ verwenden. Das sollte aber nicht die Regel sein.

Ihr seid nun bereit für Eure Mission. Viel Erfolg! Sucht und zerstört das Passiv!

Dieser Beitrag zerstört sich in fünf Sekunden selbst.

Liebe Grüße
Eure Jasmin

2 Kommentare

  1. Schöner Artikel! Vielen Dank dafür. Ich habe aber gehört das es Leute geben soll, die schaffen es sogar ganz aktiv und ohne Passiv, richtig lange Sätze zu schreiben, die dann die Leserin oder den Leser doch so sehr enervieren, dass sie sich frustriert abwenden, obwohl die beschriebene Handlung sowas von mega spannend ist, dass man eigentlich gar nicht aufhören könnte … 😉 Lange Sätze, meine Krankheit. Neben diversen anderen Schreibkrankheiten. „Werden“ vermeiden ist aber schon einmal notiert!

    • Vielen Dank für Deinen Kommentar, Ralph! Ich freue mich immer, wenn ich merke, dass jemand meine Einträge TATSÄCHLICH liest. 🙂 Was ich hier beschreibe, ist eine Regel, von der es natürlich auch Ausnahmen gibt. Ich persönlich vertrete aber die Meinung, dass man die Regeln erst einmal beherrschen muss, um sie zu brechen oder um diese Ausnahmen unzusetzen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß beim Schreiben!

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Deine Jasmin