„Allein im Miteinander“ von Sven Hensel

„Allein im Miteinander“ von Sven Hensel

Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Genre: Drama/Theaterstück
ISBN: 978-1518724862
Preis: 6,95 Euro (Taschenbuch), 3,99 Euro (E-Book)

Eines vorweg: Bei „Allein im Miteinander“ handelt es sich um ein Theaterstück. Es ist das erste Theaterstück, das ich seit meiner Schulzeit gelesen habe. Vielleicht fragt Ihr Euch jetzt: Wieso liest sie nach mehr als *hust* drei Jahren ausgerechnet dieses Theaterstück? Antwort: Weil’s gut ist.

Es beginnt gleich mit der wunderschönen Widmung:

„Für euch, die ihr in dunklen Zeiten ein wenig Licht sucht.“

Da geht mir das Herz auf – und ich hoffe, Euch auch.

Es geht um Murat Erdal. Er ist in Deutschland geboren und türkischer Abstammung. Er führt einen Kiosk in Köln am Neumarkt (sehr sympathisch!), den er von seinem Vater übernommen hat. Im Grunde pflegt er einen freundlichen Umgang mit seinen Kunden. Die lassen jedoch immer wieder durchblicken, dass Murat für sie kein „richtiger Deutscher“ ist.

Ich könnte natürlich noch mehr zum Inhalt erzählen – zu jeder Szene gibt es etwas, über das man eine Debatte anstoßen könnte. Aber dann müsste ich zu viel von der Handlung verraten.

Die Figurenkonstellation ist sehr interessant. Murat wird von seinen Kunden als „Ausländer“ beziehungsweise „Nicht-Deutscher“ hingestellt. Dabei ist er der einzige, der Geschehnisse hinterfragt, anständig reflektiert und eine gewisse Bildung vorweisen kann.

Klaus-Dieter: Willst Du damit sagen, dass du Deutscher bist? Da gehört schon mehr zu als nur hier geboren zu sein!
Murat: Und was?
Klaus-Dieter: Erst einmal die Sprache. (…)
Murat: Rede ich etwa unverständlich? Hab ich grammatikalische Fehler? Stimmt etwas mit meiner Syntax nicht?
Klaus-Dieter: Deiner was? Hör mal, Junge, du brauchst hier jetzt nicht den Larry raushängen zu lassen! Das hat schon so manchen Kameltreiber den Kopf gekostet!
Zitat aus dem 1. Akt, 2. Auftritt, Seite 14

Zur Aufmachung: Das Buch riecht, wie ein neues Buch riechen muss: Vielversprechend. Jawohl, ich rieche an meinen neuen Büchern! Und wenn Ihr ehrlich seid: Ihr auch.

Das Cover unterstreicht den Titel sehr schön: Abgebildet ist eine Streudeko aus weißen Holzsternen. Nur ein einziger hebt sich farbig von den anderen ab. Er ist tatsächlich allein im Miteinander.

Fazit: „Allein im Miteinander“ hat mich viele Gefühlswallungen durchleiden lassen. Der Grund dafür ist seine Realitätsnähe. Es gab Stellen, die haben mich verzweifeln lassen. Es kann doch nicht sein, dass Deutschland so tickt! Möchte man jemandem zum Denken anregen – dieses Buch wäre das passende Geschenk.

Ansonsten liebe ich die Dialoge. Da steckt so viel drin. Trotz des ernsten Themas muss man daher zwischendurch schmunzeln.

Sven Hensel Allein im MiteinanderDen Epilog finde ich sehr ansprechend. Ich würde ihn tatsächlich gerne einmal bei einer Aufführung in einem Theater sehen. Ich bin neugierig auf die Reaktion des Publikums.

Abschließendes Urteil: Kaufen, lesen, nachdenken!

Nähere Informationen zu Sven Hensel und seinen Bücher findet Ihr hier.

PS: Die Lektüre hat mich zwischendurch unendlich traurig gemacht. So sehr, dass ich meine Follower auf Twitter dazu aufgefordert habe, mir von Erlebnissen zu erzählen, in denen der Rassismus NICHT gewonnen hat. Wenn Du auch eine solche Geschichte für mich hast, würde ich mich freuen, wenn Du sie mir in den Kommentaren dalässt. #FuckRacism

3 Kommentare

  1. Ich saß einmal in einem Bus, 18/19 Uhr. Eine deutsche Frau älteren Kalibers setzte sich neben mich. Wir beachteten einander nicht. Dann stieg an der nächsten Station eine dunkelhäutige Frau mit Kinderwagen und 3 Kindern ein. Die ältere Frau beugte sich zu mir, ignorierte meine Kopfhörer und fing an, rassistische Kommentare in meine Richtung zu machen, dass es „so etwas früher nicht gegeben hätte. Diese Neger. Vermehren sich hier unkontrolliert“. Ich habe der Frau daraufhin lautstark zurechtgewiesen, dass mich „ihr rassistischer Nazischeißdreck nicht interessiert“ und sie den Mund halten soll. Die schwarze Mutter war erst irritiert, verstand aber scheinbar schnell und nickte lieb zu mir rüber, ich nickte ebenfalls. Die ältere Frau neben mir setzte sich verschreckt woanders hin und ich hörte, wie sie über meine Manieren lästerte. Der Rest des Busses tat so, als hätte diese Interaktion nicht stattgefunden.

    Deutschland.

    P.s. Danke für diese wunderbare Rezension!

    • „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“
      – Erich Kästner –

      Ich bin froh, dass Du nicht zu diesen Menschen gehörst, Sven. <3 Danke, dass Du dieses schöne Buch geschrieben hast!

  2. Das ist das wohl am besten passendste Zitat für unsere Gesellschaft und unsere Gegenwart. Danke für den tollen Literaturtipp, Jasmin, und danke, Sven, dass auch Du Dich als Schriftsteller für mehr Toleranz einsetzt.

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