Mein Interview mit Romy Fölck, der Autorin von „Totenweg“

Hallo, Ihr Lieben!

Am Dienstag, den 17. April 2018, durfte ich dank der lieben Elke Pistor als Bloggerin an meinem ersten Pressetermin teilnehmen. Es ging um den Krimi „Totenweg“ von Romy Fölck – dem aktuellen Frühjahrsspitzentitel von Bastei Lübbe, der ohne Anlauf in die Bestsellerliste gehüpft ist.

Tatsächlich durfte ich die Autorin auch interviewen – es hat großen Spaß gemacht. Aber das merkt ihr sicher selbst, wenn ihr es nun lest.

Zippi: Wie ist dir die Idee zu „Totenweg“ gekommen?
Romy Fölck: Die Idee für „Totenweg“ hatte ich beim Laufen in der Marsch. Ich wollte schon lange ein Buch über meine neue Heimat in Norddeutschland schreiben. An diesem Tag lief ich an einem alten Backsteingebäude vorbei – das ist ein alter Apfelkeller – und ich dachte in diesem Moment: Was wäre, wenn hier vor vielen Jahren ein Mord passiert und nie aufgeklärt worden wäre? Und dann war auch schon die Hauptperson da: Frida, die junge Polizistin. Ich wollte gerne, dass sie ihre Wurzeln dort in der Elbmarsch auf einem dieser Apfelhöfe hat. Das war die Grundidee.

Zippi: Also, wenn du laufen gehst, denkst du an Mord. (lacht)
Romy Fölck: Ja, da habe ich die besten Ideen. Da ist der Kopf frei. Selbst wenn es beim Schreiben mal nicht so gut läuft, gehe ich laufen und dann ist sofort das Kopfkino wieder an. Das ist wirklich das beste Mittel gegen Schreibblockaden.

Zippi: Hattest du das im Blut, dass DAS ein Bestseller werden könnte?
Romy Fölck: Nein. (lacht) Das ganz sicher nicht. Ich habe das Buch geschrieben, weil es ein Herzensbuch war. Ich hatte die Idee und habe mich so verliebt in diesen Stoff, in diese Figuren, in diese Kulisse der Elbmarsch. Ich wollte dieses Buch schreiben. Aber dass das wirklich ein Bestseller wird – wenn mir das vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte ihn ausgelacht. Ich hatte weder eine Agentur noch einen großen Verlag an der Seite. Es war natürlich der Wunsch da, dass ich mich damit bewerbe.

Romy Fölck mit ihrem Buch „Totenweg“

Zippi: Das heißt, innerhalb von zwei Jahren hattest du die Idee zum Buch, hast es geschrieben, hast einen Agenten bekommen und einen Verlagsvertrag.
Romy Fölck: Ja, 2014 habe ich mit „Totenweg“ angefangen und Anfang 2015 hat mir die Agentur sofort nach der Textprobe den Vertrag geschickt. Ende 2015 hat mein Agent es sehr schnell bei Bastei Lübbe untergebracht. Das ging relativ fix. Aber dann musste ich noch ein bisschen warten – wie gesagt, das war Ende 2015, jetzt, im April 2018, ist es erschienen. Das ist halt so bei großen Verlagen – da wartet man zweieinhalb Jahre auf das Buch selbst. Die Programme werden wirklich auf lange Sicht geplant, aber das war mir auch egal. Und was dann im Verlag selbst passiert ist – „Totenweg“ war ja erst als Taschenbuch geplant, ohne große Kampagne, und hat im Verlag schon so einen Weg genommen, dass da ganz viele begeisterte Verlagsleute waren, die gesagt haben: „Das ist so toll, das müssen wir größer machen!“ Als ich dann den zweiten Band abgegeben habe – „Bluthaus“ – da kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr.

Zippi: Und du kriegst die Begeisterung dann auch mit?
Romy Fölck: Ja, davon erzählt mir natürlich meine Lektorin, die mich dann anruft und sagt: „Es stand wieder jemand neben meinem Schreibtisch und war ganz begeistert!“ Oder wenn ich im Verlag bin, passiert es, dass mich jemand anspricht. Das ist schon ganz oft vorgenommen. Das wird mir natürlich weitergegeben – was auch schön ist. Aber dass das noch ein so großes Ding geworden ist mit Spitzentitel, mit einer mega Kampagne und dem Einstieg auf der Spiegel-Bestsellerliste! Wir sind jetzt sieben Wochen drauf, nächste Woche wird die achte sein. Das ist für mich immer noch unfassbar.

Zippi: Du musst unbedingt in eine Buchhandlung gehen, die eine Wand mit Spiegel-Bestsellern hat. Dann schaust du, wo dein Buch steht.
Romy Fölck: Mittlerweile, nach acht Wochen, ist es natürlich nicht mehr in den Top 20, aber das habe ich natürlich in Hamburg gemacht! Ich bin da reingegangen und da war es auch aufgebaut. Ich habe mir das natürlich angeschaut. (lacht)

Zippi: Hast du es fotografiert?
Romy Fölck: Jaaa, hab ich auch! Sowas muss man einfach machen. (lacht) Ich habe mir auch den Spiegel gekauft, weil da die ersten zwanzig Spiegel-Bestseller drin sind. Das muss man dann machen. (lächelt)

Zippi: Wusstest du von Anfang an, dass es eine Reihe wird?
Romy Fölck: So ziemlich. Als ich mit „Totenweg“ anfing, habe ich natürlich erst mal einen Weg gesucht, wie ich den Plot baue und wie die Figuren sind. Aber ich merkte, dass die sehr viel Potential haben und definitiv für eine Reihe geeignet sind. Klar hatte ich das im Hinterkopf, aber dann muss auch der Verlag mitspielen und auch dort signalisierte man mir relativ schnell, dass der Wunsch wäre, dass das weitergeht. Der Verlag hat vor Erscheinen schon vier Bände eingekauft. Nach „Totenweg“ kommt „Bluthaus“, der am 28.09.2018 erscheint, und die zwei Bände dahinter. Wir werden mal sehen, wie weit das geht.

Zippi: Hast du geplottet oder einfach geschrieben und geguckt, wohin es dich führt?
Romy Fölck: Nein, ich plotte. Ich plane sehr genau. Ich weiß immer, wer der Täter ist. Nur so kann ich auch die Red Herrings reinbringen, die alles ein bisschen verschleiern, so dass man nicht sofort weiß, wer der Täter ist. Ich muss auch die Wendungen planen – das ist für mich ganz wichtig bei meinem Krimi, damit ich wirklich Herrin des roten Fadens bin. Natürlich ist das beim Schreiben so, dass man immer mal gute Ideen hat oder dass ich eine Figur doch anders entwickle oder dass die stärker wird als gedacht. Das war auch so der Fall. Wir haben in „Totenweg“ eine tolle Nebenfigur, die im zweiten Band sehr viel größer wird, weil sie einfach so faszinierend ist und auch die Leser nachgefragt haben, dass ich auf jeden Fall mehr darüber schreiben musste.

Zippi: Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?
Romy Fölck: Eine große Schreibblockade noch nicht, kleine natürlich schon. Also dass man mal einen Tag eben nicht so fit oder kreativ ist – das kommt schon vor. Wie gesagt: dann ziehe ich die Laufschuhe an und gehe raus in die Natur. Das hilft mir. Oder ich mache einfach was ganz Anderes. Da hole ich mir auch schon mal den Staubsauger raus oder wasche Wäsche. Dann kommt man vom Laptop weg und dann geht’s meistens weiter, aber so eine große Schreibblockade, die ein paar Tage oder Wochen geht, hatte ich noch nicht. Zum Glück.

Zippi: Du bist ja eigentlich Juristin. Spürt man das, wenn man dein Buch liest?
Romy Fölck: Jein. Zum ganz kleinen Teil. Da geht’s mal um einen Darlehensvertrag, um eine Abtretung. Da spielt das schon rein. Aber ich habe keinen Juristenkrimi geschrieben, möchte ich auch nicht. Das ist auch schon viel zu lange her. Ich habe mein Examen 2001 gemacht und wollte auch nie die Juristenkarriere einschlagen. Es war von vornherein klar, dass ich nicht die gemachte Juristin bin. Ich bin in die Wirtschaft gegangen, habe zehn Jahre in einer Bank gearbeitet und ab und zu merkt man es so ein bisschen, aber ich glaube, da muss niemand Angst haben, dass „Totenweg“ ein trockener Juristenkrimi geworden ist.

Zippi: Juristen sind auch eigentlich nicht dafür bekannt, dass sie sonderlich spannend schreiben.
Romy Fölck: Das kann man so auch nicht sagen. Sebastian Fitzek hat auch Jura studiert.

Zippi: Oh, das wusste ich nicht.
Romy Fölck: Ich glaube, der wusste auch, dass er keine Juristenkarriere anstreben will, denke ich mal. (lacht) Ich glaube, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Man sagt ja immer, Jura ist so trocken, aber was unglaublich spannend war, war zum Beispiel mein Referendariat beim Schwurgericht, bei dem ich auch Mordakten lesen durfte.

Zippi: Die durftest du echt lesen?!
Romy Fölck: Ja klar, als Referendar darf man in Verhandlungen mit drin sitzen, darf die Akten lesen und hat natürlich eine Verschwiegenheitsklausel – das ist ja klar. Aber das war unglaublich spannend.

Zippi: Wie hast du danach geschlafen? (lacht)
Romy Fölck: Wir hatten damals wirklich einen der größten ostdeutschen Mordfälle, der gerade in Verhandlung war, und der war überall in der Presse. Das war schon sehr speziell. Also gerade auch die Tatort-Fotos beziehungsweise die Obduktionsfotos – das liegt ja alles mit drin – da muss man schon schlucken. Ich schreibe Fiktion, aber wenn man so eine echte Akte liest und weiß, dass das wirklich passiert ist – das ist eine andere Geschichte.

Zippi: Hast du schon Erfahrungen mit Plotbunnys gemacht, während du an einem Projekt gearbeitet hast?
Romy Fölck: Was sind denn Plotbunnys?

Zippi: Du arbeitest an einem Projekt und hast vielleicht sogar eine Deadline und weißt, du musst jetzt an DIESEM Projekt arbeiten. Auf einmal hoppelt ein Plotbunny vorbei – also eine großartige Idee für ein anderes Projekt. Diese Idee packt dich und du weißt, dass du das schreiben willst, aber du musst erst mal dieses ursprüngliche Projekt fertig machen.
Romy Fölck: Ich habe immer Ideen und ich habe viele Ideen, die noch im Schubfach liegen, woraus möglicherweise etwas wird, aber in den meisten Fällen nicht, weil die Ideen sehr schnell da sind, aber die Arbeit kann man nur für wenige Ideen aufbringen. Die vielen Monate, die man an einem Roman schreibt – klar, habe ich manchmal eine tolle Idee, während ich etwas schreibe. Aber es ist nicht so, dass die mich total ablenkt. Die wird geparkt und wenn sie dann nach Abschluss des Projekts noch da ist und ausbaufähig, dann setze ich mich ran. Aber sie lenkt mich nicht total von meiner Arbeit ab. Dabei bin ich fokussiert.

Zippi: Wann hat das bei dir angefangen, dass du schreiben wolltest? Du hast ja erst mal „was Anständiges“ gelernt. (lacht)
Romy Fölck: Schon in der Schule. Meine Lehrer haben meine Aufsätze geliebt, das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, ich habe gerne gelesen. Ich kann das gar nicht genau auf eine Jahreszahl runterbrechen. Das Talent war, glaube ich, immer da. Ich habe es gerne gemacht und habe während meines Jurastudiums angefangen, meinen ersten Roman zu schreiben. Es war Freizeit für mich. Dass es wirklich zum Berufswunsch wurde, das war gegen Ende des Studiums. Aber man hat ja so ein Sicherheitsdenken. Und es ist klar, dass es als Schriftsteller sehr schwer wird, wirklich davon sein Geld zu verdienen. Es gibt ganz ganz wenige deutsche Autoren, die wirklich davon leben können. Die meisten haben Nebenjobs oder haben Hauptjobs und schreiben nebenbei. Also so klar war ich da schon, dass ich erst mal das Studium fertig gemacht und zehn Jahre gearbeitet habe und dann mit 38 Jahren den Sprung ins kalte Wasser gewagt habe.

Zippi: Apropos „Geld verdienen“ – da kann ich dir unseren Autorenwelt-Shop empfehlen. Da beteiligen wir die Autorinnen und Autoren an unserem eigenen Gewinn. Bei uns kriegst du dann noch mal zusätzlich 7 % des Bruttoverkaufspreises deines Buchs, wenn das Buch bei uns gekauft wird – egal, wie die Käufer zu uns gekommen sind.
Romy Fölck: Das ist ja Wahnsinn.

Zippi: Ja. Sandra Uschtrin ist eine Idealistin und sie mag das nicht, dass Autoren nicht vom Schreiben leben können und möchte mit der Autorenwelt ihren Teil dazu beitragen.
Romy Fölck: Toll. Ich kenne auch die andere Seite der Medaille. Ich schreibe jetzt seit zwölf Jahren. Also vor zwölf Jahren ist mein erster Roman erschienen und ich weiß, wie es ist, davon NICHT leben zu können, beziehungsweise viel zu tun dafür, aber wenig Erfolg zu haben. Ich war bei einem sehr kleinen Verlag in Dresden, die haben sich unglaublich viel Mühe gegeben. Aber da ist einfach nicht so viel Werbeetat da. Das ist Idealismus. Es ist so. Sowohl auf Verlagsseite als auch beim Autor und dass es jetzt natürlich so umgeschlagen ist und mit „Totenweg“ dieser Erfolg kommt, ist für mich nach wie vor ein riesiges Glück und ich freue mich. Manchmal weiß ich gar nicht, warum gerade ich dieses Glück habe. Aber ich glaube, manchmal muss man es einfach annehmen und muss sagen: „Du hast auch sehr sehr hart dafür gearbeitet.“

Zippi: Das stimmt. Ist schon mal jemand auf dich zugekommen und hat gesagt: „Sind SIE nicht Romy Fölck?“
Romy Fölck: Ehrlich gesagt, bin ich von der Polizei mal angehalten worden. (lacht)

Zippi: Was?! (lacht)
Romy Fölck: Ja, ich war mit meiner Mama unterwegs, das war aber in meiner alten Heimat in der Nähe von Dresden. Sie war nicht angeschnallt, weil sie ein Erdbeerkörbchen auf dem Schoß hatte. Wir sind angehalten worden und der Polizist sagte dann: „Mensch! Das ist doch die Autorin!“ Das war ganz lustig, dass die uns erkannt und letztlich mit uns über die Bücher geplaudert haben. Mit einer kleinen Verwarnung durften wir dann weiterfahren, aber das war schon total verrückt. (lacht)

Zippi: War das auch das Abgefahrendste, was dir als Autorin je passiert ist, oder gab es da noch was Anderes?
Romy Fölck: Abgefahren?

Zippi: Ja, etwas Unfassbares oder Unglaubliches.
Romy Fölck: Manchmal bekommt man komische Mails im Internet. Bei denen ich manchmal noch so denke: „Leute, wir sind Autoren und wir möchten natürlich die Nähe zu den Lesern, aber wir kennen uns nicht privat. Man wird manchmal so angeschrieben, als wären wir die besten Freunde. Das ist immer noch so ein bisschen seltsam für mich, dass da diese Distanz gar nicht mehr da ist. Die Zeit des Internets hinterlässt ein paar witzig-seltsame Nachrichten.

Zippi: Ich bedanke mich für das Interview.
Romy Fölck: Vielen Dank.

Das Interview mit Romy Fölck war sehr angenehm und kurzweilig. Wenn ihr nun auf ihr Buch „Totenweg“ neugierig geworden seid, das gibt es hier.