Das Literaturcamp 16 – mein allererstes Barcamp Teil 2

Hallo, Ihr Lieben!

In Heidelberg stand der letzte Tag des Literaturcamps an. Wer nicht da war, ist selbst schuld.

Nänänänänäääänäää

Was Ihr wissen müsst, um diesen Beitrag zu verstehen: Am Tag zuvor hatte mich fast der Wahnsinn gepackt. Das Orga-Team hatte genau EINE Schere. Eine! Und die war bald verschwunden. So viele Menschen haben mich über den ganzen Tag damit genervt, ob ich wisse, wo dieses Werkzeug des Teufels abgeblieben sei … ich habe mal kurz an den Inhalt meines Bücherregals gedacht …

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Gut, dass ich nicht getan habe, was ich natürlich keineswegs vorhatte. Ääähm … ja.

Aber hätte mich an diesem Tag ein Auto überfahren, wäre ich als Geist wiedergekommen. Ich hätte in Heidelberg mein Unwesen getrieben und keine Ruhe gefunden, bis diese Schere an ihrem rechtmäßigen Platz gelegen hätte. Bis dahin hätte ich einen kleinen Jungen gepiesackt, der tote Menschen sehen kann.

12. Juni: Letzter Tag im LitCamp Heidelberg

Heute sollen die Engel (das sind die freiwilligen Helfer) ruhig etwas später da sein. 08:30 Uhr reicht. Okay, jetzt haben wir 08:30 Uhr, aber das Dezernat 16 schlummert noch. Eine der Hintertüren ist offen. So muss ich wenigstens nicht draußen stehen.

Ich warte.
Und warte.
Und warte.

Der Großteil des Orgateams hat sich mit Schlafsäcken in einem Seminarraum in den oberen Stockwerken zusammengerollt. Da rührt sich nichts. Leider ist das Foyer auch abgeschlossen, sonst könnte ich ja schon mal loslegen. Also mach ich das, was ich immer mache. Ich twittere.

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Da kommt Suse die Treppe runter und kurz darauf ist das Foyer offen. Da es nun schon 08:45 Uhr ist, setze ich mich direkt an die Anmeldung.

Diesmal läuft es nicht ganz so lässig wie gestern. Meine Teilnehmerliste hat zwei Spalten. Eine für Samstag und eine für Sonntag. Es spielt also keine Rolle, dass man gestern schon dagewesen ist. Ich brauche einen rockywürdigen Sonntagshaken! Leider laufen die Leute erst mal an mir vorbei.

„Stopp! Sag mir bitte noch mal Deinen Namen!“
„Ich war doch schon gestern da.“
„Ja, aber Du musst Dich heute noch mal anmelden.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

Dann passiert etwas Unglaubliches. Dirk gibt mir eine Schere. Nicht DIE Schere, aber es handelt sich um ein Schneidegerät. Die Schere wandert sofort in die Box zu meiner Linken. Ich rücke sie nicht mehr raus! Sie ist mein Eigen, mein Schaaaaaaatzzzzzzz …

SCHLAAAAAAAAND!

Es ist übrigens ein besonderer Tag. Also, abgesehen von der Tatsache, dass wir auf dem Literaturcamp sind. Die Fußball-Europameisterschaft hat begonnen und heute Abend spielt Deutschland gegen die Ukraine. Benni trägt schon sein Deutschland-Trikot. Er wirft einen kritischen Blick auf mein Autorenwelt-Shirt.
„Ich dachte, Du ziehst auch Dein Trikot an!“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

Eigentlich wollte ich auf dem LitCamp noch nicht als ausgeflippter Schlaaaaaand-Fan herumlaufen. Das sollte erst am Abend fällig sein. Aber Benni guckt irgendwie enttäuscht. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein – ich hab schon echt viel Cola getrunken und der Zucker stellt manchmal komische Dinge in meinem Kopf an. Auf jeden Fall wechsle ich schnell das Outfit und klebe mir auch zwei Deutschland-Flaggen ins Gesicht. Das betont das scherzkeksige Funkeln in meinen Augen.

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Einschub: Wisst Ihr, woran man Ironie erkennt? Ich hab extra eine Nacht länger in Heidelberg gebucht. Die Vorstellung, im Zug nach Köln zu sitzen und das Deutschlandspiel zu verpassen, war mir unerträglich. Beim Rudelgucken unter freiem Himmel in Heidelberg fängt es an zu gewittern. So macht Rudelgucken keinen Spaß, also nehme ich schnell den Bus zum Hotel – und verpasse das 1:0 für Deutschland.
Liebes Schicksal, einmal mehr: Du. Mich. Auch.

Endlich erspähe ich auch Prosa und Tanja. Sie sehen sehr müde, aber auch richtig zufrieden aus.

„Was habt Ihr denn gemacht?“
„Wir waren die ganze Nacht auf, haben gequatscht und uns vorgelesen!“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

Mehr als zwei Stunden Schlaf können die beiden nicht bekommen haben. Aber so etwas passiert beim Literaturcamp. Schlaf ist nebensächlich, man trifft Gleichgesinnte und hat auf einmal das Gefühl, dass man sich schon ewig kennt.

 

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Litcamp-HD-261 von Valentin Bachem | Lizenz: CC-BY 2.0

Hab ich eigentlich schon von der Twitter-Wall berichtet? Im Foyer von Dezernat 16 werden alle Tweets mit dem Hashtag #litcamp16 gezeigt. Da bin ich natürlich oft vertreten. Sehr oft. Öfter als Benni an Döner denkt.

Meine Mission ist klar: Je öfter der Hashtag #litcamp16 benutzt wird, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er auf Twitter in den Top Ten landet. Dadurch erhöht sich die Sichtbarkeit. Wenn die Daheimgebliebenen mitbekommen, was sie hier verpassen, werden sie neidisch. Wenn sie neidisch werden, wollen sie nächstes Jahr auch am Literaturcamp teilnehmen. Wenn die Nachfrage steigt, gibt’s das Camp hoffentlich wieder. Ass kla?

Der „Qualitätssonntag“ (O-Ton Nathan) startet. Auch heute begrüßt Suse das friedliche Volk der Literatur-Besessenen. Dann hat sie ein Geschenk für uns: eine supertolle Info. Für diese Info haben schlaue Wissenschaftler Wörter wie „hingerissen“ und „euphorisch“ auf der Welt installiert.

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Dann beginnt natürlich die Session-Planung. Wäre ja ohne kein Barcamp. Ich biete heute keinen Vortrag an, aber Nina George ist umso fleißiger. Ihre Sessions sind ja sowieso sehr beliebt. Einfach weil die einen Nina-Stempel tragen. Nina riecht, wie sie die Meute packen muss. Was mich besonders freut: Sie bietet erneut das Thema Figurenaufstellung an. Gestern konnte ich da nicht teilnehmen, weil ich selbst referiert habe. Heute sieht’s da besser aus.

Vorher muss ich allerdings noch eine Schmach ertragen. Auf dem Literaturcamp laufen viele nette Menschen herum. Das hat mich dazu gebracht, etwas total Abartiges zu tun: Ich habe mich mit diesen Menschen unterhalten. So live und so. In Farbe. Mit Surround Sound. Versteht Ihr? OFFLINE! Ich habe also mal für eine Stunde oder so nicht getwittert. Das wird mich für den Rest meines Lebens verfolgen.

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12:00 Uhr: Figurenaufstellung mit Nina George

Das Prinzip der Figurenaufstellung geht eigentlich auf die Familientherapie zurück. AutorInnen können das aber ganz wunderbar für das Beziehungskonstrukt in ihren Romanen verwenden. Da ich so etwas noch nie live miterlebt habe, bin ich sehr gespannt.

Wir stellen die Stühle im Kreis auf – jedenfalls, soweit der Platz reicht. Weitere TeilnehmerInnen stapeln sich auf den Tischen, um zuzusehen.

Nina zeigt uns zuerst anhand von Harry Potter, wie das mit der Figurenaufstellung funktioniert. Sie schnappt sich ein paar Teilnehmer und benennt sie nach den Romanfiguren. Da ist zunächst einmal Harry, neben ihm stehen Ron und Hermine – wobei Ron ein bisschen schräg hinter Harry steht, weil er zwar sein bester Freund, aber nicht ebenbürtig ist. Frontal vor Harry steht sein Gegner, Ihr-wisst-schon-wer. Und so geht das immer weiter. Man nimmt eine Figur und überlegt sich, wo sie im Verhältnis zu den anderen Figuren stünde. Währenddessen tippe ich auf meinem Telefonino herum. Ich twittere.

Steffi, eine Teilnehmerin mit einem süßen Hund, hat ein Buch geschrieben. Ihre Figurenkonstellation nehmen wir für unsere Aufstellung. Sie sucht sich unter den TeilnehmerInnen Repräsentanten für die Charaktere aus.

„Jasmin, Dich brauche ich auch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

Ich schaue auf mein Telefonino.
Ich schaue zu Steffi.
Und wieder zurück zu meinem Telefonino.
Und wieder zurück zu Steffi.

Et is wie et is. Unter diesen Umständen kann ich nicht twittern. Ich lege das Telefonino zur Seite. Als sich meine Finger von dem Gerät lösen, zittern sie leicht. Aber ich schaffe das. Ich muss nur ruhig weiteratmen. Wird schon.

Steffi positioniert mich im Raum. Zuerst glaube ich noch, dass ich eine Nebenfigur bin. Dann verstehe ich, dass ich eine größere Rolle spiele. Meine Figur ist 21 Jahre alt (yay!). Sie ist Ärztin (find ich gut). Offenbar außergewöhnlich (passt). Und introvertiert (passt nicht).

Wolfgang Tischer stellt meinen Verlobten dar. Es dauert eine Weile, bis wir verstehen, wie unsere Figuren und dadurch wir zueinander stehen (ein Ausdruck, der hier gleich doppelt passt). Steffi sagt, dass Wolfgang mich anhimmeln müsse … Leute, das ist so krass! Lord Wolfgang Tischer kniet vor mir! Echt jetzt. Davon erzähle ich später meinen Enkeln. Oder meiner Katze. Je nachdem, wie mein weiteres Leben verläuft.

Die Figurenaufstellung ist sehr aufschlussreich. Man sieht Dinge, die vorher nicht so deutlich waren. Als Steffi uns alle aufgestellt hat, erkennt sie, dass ich die einzige lebende Frau im Plot bin. Sie tauscht einen Mann durch eine Frau aus. Das ist der Moment, in dem mir klar wird, dass ich ihr Buch lesen möchte. Durch die Änderung ergeben sich neue Möglichkeiten und die Figur, die nun eine Frau ist, hat es mir angetan. Ich möchte mehr über sie erfahren und vergesse darüber sogar meinen Twitter-Entzug.

Dafür fällt anderen meine Internet-Abstinenz auf. Da muss ich nach dem Workshop erst mal klarstellen, dass alles in Ordnung ist.

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13:00 Uhr: Mittagessen

Die Essenszeit ist immer gesellig, wenn alle im Foyer oder draußen zusammensitzen. Diesmal sitzt aber niemand draußen, weil so viel Wasser vom Himmel kommt, dass Wörter wie „Wolkenbruch“ oder „Platzregen“ dem nicht mehr gerecht werden. Aber auch hier gibt es Hoffnung: Das Orga-Team streicht sich mit den Zeigefingern rechts, links und unten um die Nasen – zack! Dann gibt es eine Lösung. Das Zelt mit dem Buffet steht zwar draußen, aber irgendwie zaubert das Team einen geheimen Tunnel aus dem Foyer ins Zelt. Keine Ahnung, wie die das machen, aber im Mittelalter hätte man sie der Hexerei beschuldigt.

Langsam werde ich wehmütig. Es ist der letzte Tag! Bald werde ich mich von so vielen netten Menschen verabschieden müssen. Da wird es natürlich Zeit für ein BartBroAuthors-Foto mit Prosa und Benni.

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14:00 Uhr: Allgemeinbildung für Autoren

Okay, EIGENTLICH heißt die Session, die Prosa und ich jetzt besuchen, „Allgemeinbildung für Autoren“. Aber in Wahrheit ist es ein Treffen der anonymen Klugscheißer (das ist keine Beleidigung, so nennen wir uns in diesem Kreis).

Ziel ist, (unnützes) Wissen miteinander zu teilen. Es ist also die perfekte Session für mich.

„Ich weiß auch noch was – ich bin nämlich eine richtige Enzyklopädie für nutzloses Wissen!“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

  • Wusstet Ihr, dass Hans Christian Andersen immer einen Zettel auf dem Nachttisch liegen hatte? Da stand drauf, dass er nicht tot ist. Er wollte nicht lebendig begraben werden.
  • Olivia Goldsmith wurde bei ihrer Scheidung vor Gericht so fertig gemacht, dass sie sich frustriert an den Küchentisch setzte – und den Bestseller „Der Club der Teufelinnen“ schrieb. Einfach so. Sie hat danach noch viele Bestseller geschrieben und konnte auf das Geld ihres Ex-Mannes pfeifen. Allerdings brachte der neue Reichtum auch Nachteile mit sich: Sie starb während einer Schönheitsoperation.
  • Der Klassiker, den sich alle AutorInnen gerne erzählen: Joanne Rowling erhielt für „Harry Potter“ ganze zwölf Absagen. Also nie die Hoffnung verlieren!

Das Wissen der Anderen gebe ich hier nicht wieder. Das wäre irgendwie, als würde man sich mit fremdem Lipgloss schminken. Sieht möglicherweise toll aus, ist aber nicht Dein Verdienst.

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Feierabend auf Tara

Oh nein! Es ist tatsächlich vorbei … Die Abschluss-Session beginnt. Das Orga-Team bedankt sich bei allen TeilnehmerInnen und natürlich auch bei den Sponsoren.

Das möchte ich an dieser Stelle auch tun.

Liebes Orga-Team, vielen lieben Dank dafür, dass Ihr das Literaturcamp in Heidelberg organisiert habt. Ich durfte Teil eines unvergesslichen Wochenendes sein – das wäre ohne Eure Tatkraft und Euren Idealismus nicht möglich gewesen.

  • Danke dafür, dass ich über den Tellerrand schauen konnte.
  • Danke dafür, dass ich keine Ausrede hatte, endlich mal veganes Essen zu kosten.
  • Danke dafür, dass ich meine Furcht überwinden konnte, vor Publikum einen Vortrag zu halten.
  • Danke für die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die ich bisher nur aus dem Internet kannte.
  • Danke für die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die ich bisher noch überhaupt nicht kannte.
  • Danke für die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die bei mir um die Ecke wohnen.
  • Danke für die Hunde-Kuschelzeit.
  • Danke für alles, was ich lernen durfte.
  • Danke dafür, dass Ihr solche herzlichen Menschen seid.
  • Danke dafür, dass ich Euch furchtbar vermissen werde.

Herzlichen Dank an alle Sponsoren und an alle, die ihre Portemonnaies geöffnet haben, so dass diese wunderbare Veranstaltung stattfinden konnte.

Nun beginnt das große Verabschieden. Hände werden geschüttelt, Umarmungen verteilt.

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Abbau und Aufräumen

Der Abschied verläuft für mich etappenweise. Da ich erst morgen wieder zurück nach Köln fahre, bleibe ich noch und helfe beim Aufräumen.

Dirk zeigt mir ein paar Stühle, die in die oberen Etagen gebracht werden müssen. Der Transport gestaltet sich noch einfach.

„In welchen Raum gehören die Stühle eigentlich?“
„In die Turnhalle.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

In der Turnhalle finde ich die Geschwister-Stühle ordentlich aufgestapelt vor. Ich muss nur noch meine Stühle oben draufhieven. Aber irgendwie … es klappt nicht. Hä? Es sind die gleichen Stühle, sie haben die gleiche Größe. Aber sie passen nicht auf die anderen. Dauernd ist einer der anderen Stapel im Weg. Ätzend! Ich werde gleich zum Hulk! Erst mit Hilfe einer anderen TeilnehmerIn und mindestens zehn Minuten Probiererei sind die Teufelsdinger verstaut. Egal. Hat keiner gesehen.

Innerer Frieden und Zen

Auf dem Weg nach unten treffe ich Nils. Er bittet mich, im Erdgeschoss einen Lappen zu holen. Aye, aye, Chef! Ich flitze nach unten. Naaaaaa … ich nehme lieber gleich zwei Lappen. Besser ist das. Ich hüpfe die Stufen wieder nach oben. Anmutig wie ein junges Reh. Mit rotem Gesicht. Und Schnapp-Atmung. Aber ansonsten Eleganz pur.

Ich wedle Nils mit den Lappen entgegen. Er erklärt mir, wohin ich die Dinger bringen soll. Einmal links, einmal rechts, einmal fallen lassen. Wie beim Stricken.

Ich halte mich genau an die Wegbeschreibung.

Ähm … Ich stehe vor einem Badezimmer. Weiße Fliesen, Dusche, zwei Waschbecken, Kaffeemaschine.

Ich schaue auf die Lappen.
Ich schaue ins Badezimmer.
Dann schaue ich wieder auf die Lappen.
Dann schaue ich wieder ins Badezimmer.

Was will Nils von mir??? Er hat „bringen“ gesagt. Ich sollte die Lappen hierher BRINGEN. Aber ich kann doch jetzt nicht einfach die beiden Fetzen auf ein Waschbecken knallen und wieder abhauen. Oder doch? Mein Blick huscht über die Zahnpasta-Spuren auf den Spiegeln, die Seifenränder und Haare im Waschbecken und den dreckigen Boden. Nee, das kann ich nicht machen.

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt! Ich steiger‘ das … äh … Litcamp-Sozialprodukt? Ach egal. Bin ja kein Songschreiber.

Abgesehen von meinen beiden Lappen hab ich noch ein paar Putzmittel und einen Wischmob mit so einem Mop-Auswring-Eimer zur Verfügung. Die beiden Spiegel sind schnell sauber. Bei den Waschbecken geht’s schon ans Schrubben, aber auch die sowie die Dusche sind bald entdreckt.

Kommen wir zum Endgegner: Das ist der Boden. Da tummeln sich Haare, Krümel und seltsamerweise auch Stücke, die aus Fliesen herausgebrochen sind. Keine Ahnung, wo die herkommen.

Mop nass machen. Auswringen. Wisch, wisch.
Mop nass machen. Auswringen. Wisch, wisch.
Mop nass machen. Auswringen. Wisch, wisch.

Das ist voll toll. Nachdem es in den letzten beiden Tagen um mich herum gesummt hat, als wäre ich die Königsbiene, habe ich nun meinen inneren Frieden gefunden. Hier gibt’s nur den Dreck, den Wischmob und mich. Im Einklang mit den Fliesen. Das ist voll Zen.

Ich atme tief ein.

Mop nass machen. Auswringen. Wisch, wisch.

Auf einmal steht Suse in der Tür. „Jasmin, was machst du da?“
„Na, ich putze das Bad.“
„Nein.“
„Doch.“
„Ooooh.“

Ich wusste ja nicht, wie das Badezimmer vor dem LitCamp ausgesehen hat. Aber laut Suse war’s nicht so sauber wie jetzt. Ich habe mir mittlerweile den Weg nach draußen geputzt. Das Zen durchflutet mich. Zufrieden lächle ich ins Badezimmer hinein.

Oh, was ist das? Ach, blöd. Jetzt ist zwar alles pico bello, aber mitten auf dem Badezimmerboden liegt noch ein langes Haar. Ich kann das jetzt aber nicht wegmachen, denn dann müsste ich ja noch mal über den Boden wischen.

Egal. Ich genieße mein Zen. Das lasse ich mir nicht von einem einzelnen Haar zerstören.

VON DIESEM VERFLUCHTEN SCHEISS HAAR!

Als ich wieder zu mir komme, finde ich mich im Foyer wieder. Nun ist das LiteraturCamp für mich wirklich zu Ende. Ich verabschiede mich von allen, die noch da sind, und knuddle das Orga-Team. Wir sehen uns spätestens im nächsten Jahr!

Die Woche nach dem LitCamp

Das LitCamp hat vor einer Woche stattgefunden. Wir dachten alle, dass es nun vorbei wäre. Ist es aber nicht! Wir twittern weiter!

Bis. Einer. Weint.

Liebe Grüße
Eure Jasmin

PS: Wusstet Ihr, dass Michael Schäfer ein paar TeilnehmerInnen um sich versammelt hat? Die glauben doch tatsächlich, dass sie zusammen beim #litcamp17 mehr twittern können als ich alleine.
„Nein.“
„Doch.“
Ooooh.“