„Mein ist die Macht“ von Leon Sachs

Verlag: Emons Verlag
Genre: Thriller
ISBN: 978-3-7408-0433-6
Preis: 14,95 Euro (Klappenbroschur)

Nachdem ein Attentäter die Moschee in die Luft gejagt hat (gleich im Prolog – heeeeeeftig!), treffen sich Vertreter „von insgesamt neunundzwanzig Religionsgemeinschaften und -strömungen“ (Seite 15) auf dem Petersberg, um einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, durch den ein Rat der Religionen entstehen soll. Ein wichtiges Ereignis, zu dem sich auch noch die Tochter des amerikanischen Präsidenten ankündigt, um der Unterzeichnung beizuwohnen.

Als der Rabbiner Fabrice erfährt, dass es einen erneuten Anschlag geben soll, versucht er diesen zu verhindern und gerät selbst in den Verdacht, ein Terrorist zu sein.

Mehr möchte ich zur Handlung nicht verraten – am besten wäre es ohnehin, das Buch komplett blind zu lesen, ohne das man irgendetwas weiß. Dann macht es am meisten Spaß. Aber ich kann schon mal sagen, dass sich die Handlung so entwickelt, dass man immer mehr in das Buch hineingesogen wird. Es ist wirklich kein Problem, hier Seite um Seite um Seite zu lesen. Immer weiter, bis die Augen tränen, weil es schon zwei Uhr nachts ist und sich die Lider endlich schließen wollen.

Ein Zitat aus dem Buch muss ich unbedingt zeigen, das kann ich mir nicht verkneifen. Es sind Gedanken von Fabrice – er ist ein Rabbiner aus Frankreich, der in die Ereignisse unglücklich verstrickt wird:

„Kirchen, Moscheen, Synagogen und Gemeindezentren waren die Orte, an denen Kinder mehr über ihren Glauben erfahren konnten. Deutsche Schulen dagegen sollten nicht mehr missbraucht werden, um Kinder und Jugendliche für eine spezielle Konfession zu begeistern. Alle sollten gemeinsam lernen, welche Religionen es überhaupt gab.“ (Seite 32)

Ich finde diese Aussage so genial und toll! Genau das (vor allem den letzten Satz) habe ich vor ein paar Wochen noch zu einer Freundin gesagt. Und es verdeutlicht sehr, wie Fabrice tickt. Er sagt es auch noch einmal an einer anderen Stelle. Gläubig zu sein bedeutet nicht, seinen Verstand auszuschalten. Ich finde das richtig toll.

Kommen wir zu meinen Erwartungen.
Eigentlich lese ich ja gar keine Thriller. Jetzt frage ich mich allerdings: Warum nicht? Das Buch hat mich wunderbar unterhalten, es war spannend, hat mich überrascht – wenn ich DAS noch mal haben könnte, wieso sollte ich nicht mehr Thriller lesen? Meine Erwartungen wurden also definitiv übertroffen und ich bleibe mit einem Wow zurück. Übrigens bin ich in puncto „Religion“ nicht sehr bewandert – das ist hier aber absolut kein Problem. Dem Autor gelingt es immer, das, was man als Leserin wissen muss, so zu vermitteln, dass man der Handlung folgen und die Tragweite der Ereignisse einordnen kann.

Der Autor Leon Sachs auf der Frankfurter Buchmesse 2018

Zur Aufmachung des Buchs.
Ich habe „Mein ist die Macht“ als Klappenbroschur gelesen. Das Buch hat eine angenehme Größe, ich konnte es also ohne Probleme in der Tasche transportieren und in der Bahn lesen. Übrigens steht bei einem neuen Kapitel immer dabei, wann und wo die Handlung stattfindet. Das hat mir sehr bei der Orientierung geholfen – vor allem, wenn man vor der Arbeit in der Bahn liest und noch nicht ganz wach ist.

Das Cover ist so dermaßen rot, dass es … rot ist. Ich meine: ROT. Es wird kein Problem sein, dieses Buch in meinem Bücherregal wiederzufinden (wobei der Buchrücken eher schwarz mit roter Schrift ist – aber trotzdem gut zu finden). Auch haptisch sehr angenehm: Wenn man mit den Fingern über den Schriftzug auf dem Cover streicht, merkt man, dass die Worte „Mein ist die Macht“ glatter sind als das restliche Cover. Dadurch fühlt es sich auch ein bisschen an, als hätte man den Titel durch eine Prägung hervorgehoben, aber ich glaube, dass das tatsächlich nur an der anderen Beschaffenheit der Buchstaben liegt.

Fazit: Religion, Politik, Rassismus, ein bisschen Weltgeschichte, Gesellschaftskritik, Nervenkitzel. Alles drin! Ich habe „Mein ist die Macht“ sehr gerne gelesen und kann es absolut empfehlen. Vielleicht animiert es sogar einige Menschen dazu, die Welt ein bisschen mehr so zu sehen wie Fabrice. Das würde ich mir zumindest wünschen.

Nähere Informationen über Leon Sachs findet ihr hier.