Autorinnenzeit – Tango tanzen wie in „Das Lavendelzimmer“

Autorinnenzeit – Tango tanzen wie in „Das Lavendelzimmer“

Hallo, ihr Lieben!

Habt ihr auch „Das Lavendelzimmer“ von Nina George gelesen? Mich fasziniert, wie genau sie die Tangoszenen in meinen Kopf malt:

Von oben bis unten presste sie sich an ihn – aber bei den ersten Tönen gab Jean seine Energie mit einem Stoß aus seinem Solarplexus an sie weiter. Er drückte sie tief, tief, noch tiefer nach unten, bis sie beide mit einem Bein in den Knien waren, das andere lang zur Seite ausgestreckt.“
Aus „Das Lavendelzimmer“ von Nina George © 2013 Knaur Verlag, Seite 178

Mein Gedanke zur Autorinnenzeit: Es wäre doch reizvoll, mit Nina Tango zu tanzen. Natürlich würde ich den Tanz nicht auf Anhieb so sicher beherrschen wie Jean Perdu aus dem Roman – trotzdem sollte es möglich sein, wenigstens ein Gespür für das Tango-Feeling zu bekommen. Nach einem Nachrichtenwechsel mit Nina stand fest: Berlin! Berlin! Ich fahre nach Berlin!

***

Es ist also nun der 1. Mai, ich komme in der Hauptstadt an und nach einem Frühstück (inklusive Kinderschokolade – is‘ ja klar!) mache ich mich auf den Weg zu Nina.

Ursprünglich wollte ich sie zu ihrer Tangostunde bei Nikita Gerdt begleiten, doch so ist das mit guten Tanzlehrern – die haben viel zu tun. Nikita ist an dem Tag nicht in Berlin. Schade, ich hätte ihn gerne kennengelernt. Aber vielleicht ergibt sich das ja mal.

Nina tanzt regelmäßig bei und mit ihm Tango – wenn man mag, erteilt er Tango-eifrigen SchülerInnen auch zu Hause Unterricht.

Bevor wir loslegen, muss ich erst einmal die Grundlagen verstehen. Nina zeigt mir anhand von Videos verschiedene Arten des Tango Argentino: Tango Milonga, Tango Vals, Tango Nuevo und Tango Ritmo. Das sind alles Musikrichtungen, die jeweils eine andere Tanztechnik erfordern.

Der Tango Milonga ist eher rhythmisch. Da macht man kleine schnelle Bewegungen. Der Tango Vals vereint Tango-Elemente mit dem Walzer-Rhythmus. Der Tango Nuevo ist moderner. Bei ihm tanzt man auf traditionelle Tangomusik mit elektronischen Elementen. Der Tango Ritmo ist die klassische Variante.

Grundsätzlich sollte man vor dem Tanzen andere Schuhe anziehen, denn „die Pista“ (die Tanzfläche) betritt man nicht mit Straßenschuhen! Nina führt mir ihre Tanzschuhe vor. Die Sohle ist biegsam, bei Ballen und Ferse spüre ich einen Gel-Untergrund.

„Und wo kriege ich solche Schuhe her?“, frage ich.
„Ich würde sie immer in einem Fachgeschäft kaufen. Gerade Tanzschuhe müssen anständig passen. Da können Shops im Internet nicht mithalten.“

Überhaupt gibt es einen richtigen „Tango-Knigge“. Bei der passenden Kleidung fängt es an. Man sollte keine künstlichen Fasern und keine Seide tragen, denn beim Tanzen schwitzt man natürlich. Stellt euch vor, ihr legt eure Hand auf den nassgeschwitzten Stoff … Uuuuuäääääh! Das ist übrigens auch der Grund, warum ärmellose Kleidung rausfällt. Verschwitzte Haut ist ja auch nicht so der Kick-Starter für einen anständigen Tango-Flirt.

Die Damen sollten Kleider mit Rückenausschnitt nur tragen, wenn sie ihren Partner bereits gut kennen. Es könnte für ihn sonst unangenehm sein, beim Tanzen seine Hand auf ihre nackte Haut zu legen (die dann natürlich auch schwitzig sein kann).

Gut zu riechen ist auch ein Thema. Wenn man tanzen möchte, wäre ein Nikotin-Odeur oder eine aufdringlich Parfum-Wolke nicht wirklich rücksichtsvoll. Kaugummis oder ein Pfefferminz gegen Mundgeruch sind immer super – die bekommt man auch oft an der Bar.

Von langhaarigen Tangofans ist es übrigens nett, wenn sie sich die Haare zusammenbinden, um den Partner oder die Partnerin nicht bei jeder Drehung unfreiwillig auszupeitschen (braucht man für solche Fälle ein Safeword???).

So viel zur Theorie. Langsam gleiten wir in die Praxis.

Nina geht zum anderen Ende des Raums. „Ganz wichtig: Der Mann fordert die Frau auf!“
Sie sucht den Raum mit ihren Augen ab, bleibt dann bei mir hängen. „Ich frage dich mit Augenkontakt und einem Lächeln, ob du mit mir tanzen möchtest. Wenn du auch lächelst oder mit dem Kopf nickst, weiß ich, dass du einverstanden bist.“

Ich darf jetzt nicht aufstehen und zu Nina gehen! Mein Part ist gerade der der Dame und da muss ich mich abholen lassen. Nina kommt also auf mich zu, fordert mich nun auch verbal zum Tanz auf und führt mich auf die Pista.

Nina George ist eine echte Tanguera

Zunächst einmal geht es um die Tanzhaltung. Obwohl der Tango in den Rotlichtvierteln Argentiniens entstanden ist, muss man eine gewisse Etikette bewahren. Die Dame entscheidet zum Beispiel darüber, wie eng die Tanzhaltung sein darf. Sie lässt ihre linke Hand am Arm des Herrn hinaufgleiten. Stoppt ihre Hand auf dem Oberarm, bleibt noch Luft zwischen dem Tanzpaar. Wandert sie bis zu seinem Schulterblatt, beginnt der Kuschelkurs.

Nina ist eine tolle Tanzlehrerin. Sie schafft es, mir zu erklären, wie diese elende Führerei funktioniert. Das habe ich bisher bei keiner Tanzschule kapiert. Der Impuls kommt nicht durch Drücken und Schieben mit den Händen oder stumpfes Loswatscheln, sondern aus der Körpermitte. Nina macht es vor und lässt es auch mich versuchen. Ich kann nicht erklären, wieso man automatisch richtig darauf reagiert – aber es klappt!

Es klingelt an der Tür. Die Krimi-Autorin und Übersetzerin Astrid Ule stößt zu uns. Daher muss sich jetzt auch Ninas Mann Jo Kramer als Tanzpartner opfern. Nina erklärt Astrid schnell was sie mir erklärt hat und dann bewegen sich zwei Tanzpaare durchs Zimmer.

Ich habe übrigens eine Achse. Jawohl, eine Achse! Und zunächst bin ich nicht sehr nett zu ihr. Wie sollte ich auch, wenn ich doch nicht mal weiß, dass es sie gibt? Aber beim Tango ist sie wichtig. Sie verläuft von meinem Scheitel durch meinen Kopf, meinen Hals und meinen ganzen Torso.

Schaut euch mal dieses Bild von Nina und Jo an und achtet auf ihre Achsen:

Ihre Oberkörper bleiben in Position. Die Beiden schieben zuerst ihre Beine in den Tangoschritt, bevor die oberen Körperhälften folgen. Es dauert ein bisschen, bis mir das gelingt. Aber es sieht natürlich auch eleganter aus, wenn man auf die Achse achtet.

Da Nina und Jo mehr Tanz-Erfahrung haben als Astrid und ich, tanzt immer ein Profi mit einer Anfängerin. Meistens tanze ich mit Jo. Das weiß ich ganz genau, weil ich ihm oft auf die Füße trete.
Er bringt mir sowohl den Wiegeschritt als auch die Kachel bei – da tanzt man mit den Füßen nebeneinander, während die Oberkörper einander weiterhin zugewandt sind.

Zum Glück sieht mich niemand. Na ja, Nina, Astrid und Jo schon … aber die verpfeifen mich ja nicht. Es sieht nämlich ein bisschen seltsam aus, wenn ich tanze … glaube ich jedenfalls. Ich mache das nämlich mit geschlossenen Augen. Dann kann ich mich besser führen lassen. Sobald ich die Augen öffne, fange ich an zu denken. Ich will aber nicht denken, ich will tanzen.

Wusstet ihr übrigens, dass man beim Tango nicht mit dem Po wackeln darf?! Bei einem Tanz, der aus dem Rotlicht kommt, hätte ich was anderes erwartet. Allerdings entschädigen mich die Ochos für die Anti-Po-Wackel-Regel. Die Oooooochooooooos! Hach …

Bei den Ochos (gesprochen „Ottschoos“) zieht man auf dem Boden im Grunde eine Acht nach. Daher haben diese Schritte auch ihren Namen, denn „ocho“ ist spanisch für „acht“. Dabei darf die Dame ganz herrlich ihre Hüfte eindrehen und die Tanzschritte sehen wunderbar elegant aus. Ich mag die Ochos.

Nina, Astrid und ich stehen gerade an einem Tisch, um meine Allerliebsten zu üben, da klingelt es an der Tür. Nina erkennt wohl an der Stimme, wer es ist.

„Willst du mittanzen, Michael?“, ruft sie.
„Ich will’n Kaffee!“, tönt es aus dem Treppenhaus.

Na gut, jedem das Seine. Ich will lieber Ochos tanzen als Kaffee trinken.

Jo muss sich jetzt um Michael kümmern, also üben Astrid und ich die Ochos abwechselnd mit Nina. Irgendwann schaue ich auf mein Handy.

Ich: „Du lieber Himmel!“
Astrid: „Hast du deine S-Bahn verpasst?“
Ich: „Nee, aber wir haben jetzt 14:32 Uhr! Ich bin seit kurz vor elf hier – das heißt, wir haben drei Stunden Tango getanzt!“

Und so mache ich mich mit einem Kopf voller neuer Eindrücke auf den Heimweg.

Die drei Stunden haben natürlich nicht ausgereicht, dass ich so gut tanzen kann wie Nina, Jo oder Jean Perdu. Aber ich denke, ich kann die Atmosphäre der Tango-Szene in „Das Lavendelzimmer“ nun besser nachfühlen.

Falls ihr dieses Buch noch nicht gelesen habt, solltet ihr es nachholen. Es gibt schließlich einen Grund dafür, dass es in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde, oder?

Die Übersetzungen von „Das Lavendelzimmer“

Ihr wisst also, was ihr zu tun habt: „Das Lavendelzimmer“ lesen und Tango-tanzen lernen!

Wir sehen uns auf der Pista!
Eure Jasmin

Fun Fact im Postskriptum:
Es gibt einen Tango-Move, da taucht die Frau mit einem Bein zwischen den Beinen des Mannes durch. Sie dreht sich dabei so ein, dass sie mit einer schnellen Bewegung mit ihrer Ferse den Po des Mannes berühren kann.

Nina hat mir erklärt, dass die Frauen so früher geprüft haben, ob es bei dem Mann klimpert – ergo, ob er Kleingeld in der Hosentasche hat (und es sich somit lohnt, später mit ihm nach Hause zu gehen).

Als ich Sven davon erzähle, fragt er: „Hat es bei dir geklimpert?“
Ich: „Bei meinen Männern klimpert nix! Da rascheln die Geldscheine!“
Sven: „Oder das Kinderschokoladenpapier.“

2 Kommentare

  1. Hallo Zippi,
    jetzt komme ich endlich mal dazu, deinen Blog zu lesen 🙂 Uuuund ich mag den Blogpost!
    Ich wollte eigentlich einen Kommentar schreiben wie „waaaaas, auf solchen Schuhen kann man tanzen?“
    Dann sah ich deine bunten Socken und wusste, dass alles gut ist.
    Der Fact mit dem Klimpern war mir neu – und wieder was gelernt, danke dafür!
    Grüzie
    Kia

    • Hallo Kia!

      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar. In der Theorie kann man in solchen Schuhen tanzen, weil die so tolle Sohlen haben, aber ich habe – wie du richtig gesehen hast – auf Socken getanzt.

      Liebe Grüße
      Zippi

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